Hundertjähriger Kalender

Der Frühling

Laut 100jährigem Kalender wird der Frühling 2018 spät aber angenehm sein. Der späte Frühling 2018 wird den Früchten zugute kommen. Wo der Samen groß gewachsen ist, kann man die Schafe auch darauf treiben, man kann die Schafe aber auch länger auf die Wiesen gehen lassen, als man sonst in den anderen Jahren das zu tun pflegte.

Der Sommer

Wenn die Nässe im Frühling nicht zu lange dauert, so folgt 2018 ein warmer, schwüler Sommer. Hat es im Frühling ständig geregnet, dann folgt ein heißer und dürrer Sommer. Das geschieht selten, doch dann wächst ein guter Wein. Sonst ist es jederzeit zu besorgen, dass viel Heu und Getreide auf dem Felde verfault. Wenn im Venusjahr der Sommer dürr ist, so wird das Getreide meistens dünne. Einen dürren Sommer gibt es dann, wenn im Februar, März, April, Mai zuvor eine Sonnenfinsternis zu sehen war oder im vorigen Sonnejahr ein Komet erschienen ist.

Der Herbst

Der Herbst ist gewöhnlich anfangs warm und schön. Es währt aber nicht lange, darum ist mit allem Fleiß dahin zu trachten, dass die Weinberge zeitlich bedeckt und der Winterbau zeitlich gesät wird. Um Mitte November wintert es gewöhnlich zu und taut dann vor Weihnachten auch nicht mehr auf.

Der Winter

Der Winter beginnt trocken. Ab Mitte Februar wird es dann feucht. Starke Regenfälle halten bis zum Ende des Winters auch an. Es kann so stark und heftigen regnen, dass Menschen, Tiere und auch Häuser Schaden nehmen.

Der Winter ist anfangs trocken, danach, besonders vom 12. Februar bis zum Ende ganz feucht. Es gibt große Wassergüsse, den den Häusern, Menschen und Vieh großen Schaden antun.

 

Der Hundertjährige Kalender ist eine Zusammenstellung von Wettervorhersagen. Er wurde im 17. Jahrhundert von Mauritius Knauer (* 1613 oder 1614; † 1664), Abt des Klosters Langheim als Calendarium oeconomicum practicum perpetuum verfasst. Das Buch sollte ihm und seinen Mönchen ermöglichen, das Wetter in Franken vorherzusagen und so die klösterliche Landwirtschaft zu optimieren.

Knauer stützte sich auf klassische astrologische Vorstellungen. Er ging von der allerdings auch unter damaligen Astrologen umstrittenen Idee aus, die Himmelskörper („Planeten“) Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur würden, in festem Turnus aufeinander folgend, jeweils ein Jahr lang von Frühlingsbeginn bis Winterende entscheidend das Wetter beeinflussen. Nach dieser Theorie genügte es, über einen beliebigen siebenjährigen Zeitraum präzise Wetterbeobachtungen zu machen, um, darauf aufbauend, auch für die Zukunft das Wetter vorhersagen zu können. Knauer schränkte allerdings ein, dass zusätzliche, astrologisch bedeutsame Faktoren wie Kometen, Sonnen- und Mondfinsternisse das Wetter abweichend beeinflussen könnten. Die Grundlage für sein Calendarium legte der Abt mit detaillierten Beobachtungen des Wetters wohl in den Jahren 1652 bis 1658.