Hundertjähriger Kalender 2021

Der Frühling

Er ist trocken und bis in den Mai hinein sehr kalt, auch wenn der April am Anfang etwas wärmer ist. Im Mai sind die Tage schön warm, die Nächte aber noch recht kalt. Es herrscht auch eine große Dürre, obwohl es bisweilen etwas regnet und es auch noch Frost und Reif geben kann.

Der Sommer

Er ist kalt mit sehr viel Regen und daher nicht so fruchtbar. Die eine Hälfte des Julis ist warm und schön, die andere kalt und kontinuierlich feucht mit Sturm und häufig auftretenden Platzregen, vor allem wenn der vorherige lunarische Sommer warm gewesen ist.

Der Herbst

Er ist recht kalt und sehr feucht und bringt auch zeitigen Frost. Danach folgt wieder Regenwetter. Ab und zu gibt es Gewitter. Die zweite Hälfte des Oktobers bringt eine große Kälte mit sich. Dafür ist es im November feucht und etwas wärmer.

Der Winter

Um den 11. Dezember fällt viel Schnee und eine große Kälte bricht herein. So bleibt das Wetter bis in den April hinein bestehen. Auch sollte man sich einen großen Holzvorrat anlegen, da der Winter sehr kalt wird. Ebenso sollte man dieses Holz rechtzeitig heranschaffen.

Der Hundertjährige Kalender ist eine Zusammenstellung von Wettervorhersagen. Er wurde im 17. Jahrhundert von Mauritius Knauer (* 1613 oder 1614; † 1664), Abt des Klosters Langheim als Calendarium oeconomicum practicum perpetuum verfasst. Das Buch sollte ihm und seinen Mönchen ermöglichen, das Wetter in Franken vorherzusagen und so die klösterliche Landwirtschaft zu optimieren.

Knauer stützte sich auf klassische astrologische Vorstellungen. Er ging von der allerdings auch unter damaligen Astrologen umstrittenen Idee aus, die Himmelskörper („Planeten“) Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur würden, in festem Turnus aufeinander folgend, jeweils ein Jahr lang von Frühlingsbeginn bis Winterende entscheidend das Wetter beeinflussen. Nach dieser Theorie genügte es, über einen beliebigen siebenjährigen Zeitraum präzise Wetterbeobachtungen zu machen, um, darauf aufbauend, auch für die Zukunft das Wetter vorhersagen zu können. Knauer schränkte allerdings ein, dass zusätzliche, astrologisch bedeutsame Faktoren wie Kometen, Sonnen- und Mondfinsternisse das Wetter abweichend beeinflussen könnten. Die Grundlage für sein Calendarium legte der Abt mit detaillierten Beobachtungen des Wetters wohl in den Jahren 1652 bis 1658.